400 Menschen gedenken der Opfer der Pogromnacht in Dorstfeld

Am 8. November fand in Dorstfeld das Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Pogromnacht und antisemitischer Gewalt statt. Veranstaltet wurde die Kundgebung in diesem Jahr von dem Projekt ‚Quartiersdemokraten‘ sowie dem ‚Verein zu Förderung von Respekt, Toleranz und Verständigung in Dortmund-Dorstfeld e.V.‘ Neben dem Gedenken an die Opfer von damals sollte auch ein Zeichen gegen aktuellen Antisemitismus gesetzt werden.

Bereits ab 14 Uhr konnten sich BesucherInnen auf dem Wilhelmplatz an unterschiedlichen Informationsständen und Austellungen über die Arbeit zu den Themen Gedenken, Nationalsozialismus und Antisemitismus von Dortmunder Schulen und Organisationen austauschen und informieren. In insgesamt zwölf Zelten präsentierten sich hier die Martin-Luther-King-Gesamtschule, die Anne-Frank-Gesamtschule, die Emscherschule Aplerbeck, das Käthe-Kollwitz-Gymnasium, das Westfalenkolleg, das Respekt-Büro des Jugendamts Dortmund, der Jugendring Dortmund, die Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalt Back Up, die Mahn- und Gedenkstätte Steinwache, Nils Oskamp (Schulpate des Reindoldus und Schiller-Gymnasium), der CVJM Dortmund e.V. sowie das Projekt ‚Quartiersdemokraten‘. Auf anschauliche Weise wurde hier gezeigt, dass sich viele Dortmunder Jugendliche auf vielfältigen Wegen für eine Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen einsetzen.

Um 15 Uhr fand dann die reguläre Gedenkstunde statt, an der sich rund 400 Personen beteiligten. Eröffnet wurde diese durch den Bürgermeister Manfred Sauer, der deutlich machte, dass unsere Gesellschaft auch gegenwärtig mit Antisemitismus und Rechtsextremismus herausgefordert ist und illustrierte dies an dem Beispiel der Partei ‚Die Rechte‘ im Dortmunder Stadtrat. Ihm folgte Bezirksbürgermeister Ralf Stoltze, der in seiner Rede über die Geschichte des Denkmals an die ehemalige Synagoge in Dorstfeld informierte und den Stellenwert des jährlichens Gedenkenks für die Dorstfelder, aber auch die gesamte Dortmunder Zivilgesellschaft hervorhob. Danach sprach Bert Woudstra ein Grußwort an die Teilnehmenden. Er überlebte als Kind in den Niederlanden nur durch Glück die Judenverfolgung und berichtete eindrucksvoll von seiner Geschichte. Anschließend hieran trugen vier SchülerInnen der Martin-Luther-King-Gesamtschule Dorstfeld Passagen aus der Geschichte der Dorstfelder Synagoge sowie über die Biographien von Jüdinnen und Juden aus Dorstfeld vor, die einen traurigen Eindruck davon vermittelten, was Jüdinnen und Juden im nationalsozialistischen Dortmund wiederfahren ist. Die SchülerInnen hatten sich zuvor auch mit Begleitung durch das Projekt ‚Quartiersdemokraten‘ auf das Gedenken vorbereitet und u.a. ein eigenes Transparent gemalt. Hiernach folgte eine Auftritt von Wolfgang Brust und Sevgi Kahraman-Brust, die zwei Musikstücke vortrugen. Den Abschluss der Gedenkstunde bildeten der Rabbiner und der Kantor der jüdischen Gemeinde Dortmund. In seiner Rede wies Rabbiner Baruch Babaev auf die schreckliche Bedeutung der Pogrome für seine Gemeindemitglieder hin und macht zugleich klar, dass Deutschland 1945 zwar „militärisch, aber nicht vom Antisemitismus befreit wurde“. Herr Babaev rief alle dazu auf, auch heute wachsam zu zein und Antisemitismus zu bekämpfen. Auch machte er darauf aufmerksam, dass die TäterInnen von damals zum Teil immer noch unter uns seien, man dürfe ihnen keine Ruhe lassen und nannte als Beispiel die 90-jährige Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck, die von Dortmunder Neonazis immer wieder glorifiziert wird. Der Kantor der jüdischen Gemeinse sprach danach das jüdische Gebet ‚El male rachamim‘ zum Gedenken an die Toten.

Insgesamt war es würdevolles Gedenken an die Pogromnacht und zugleich ein wirksames Zeichen gegen den heutigen Antisemitismus. Dies wurde auch darin deutlich, dass die Vielzahl der Teilnehmenden dafür sorgten, dass rechtsextreme Ströversuche in diesem Jahr nicht gelingen konnten.

Nachfolgend eine Bilder der Gedenkveranstaltung: